12.02.2024 Technologieoffenheit

In einem bemerkenswerten Interview bezieht BMW-Chef Oliver Zipse Stellung zu aktuellen Herausforderungen. So wendet er sich gegen das ab 2035 greifende EU-Verbrennerverbot mit dem Hinweis, nur Technologieoffenheit könne sicherstellen, dass auch die 2035 noch fahrenden Verbrennerfahrzeuge mit möglichst sauberem Sprit unterwegs seien.

Zipse weiter: „Die Mobilität lebt nicht von Disruption, das tat sie noch nie.“ Die heutige Krisensprache rede gerne von „Wende“. Das bedeute bildlich eine 180-Grad-Umkehr, die es nicht geben könne. Es gehe um stetige Veränderung, die nicht in wenigen Jahren vollzogen werden könne, sondern Dekaden brauche. Zur 2023 erfolgten Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke merkt der BMW-Vorstandsvorsitzende an: „Die Welt muss sich darauf einstellen, bald Heimat von zehn Milliarden Menschen zu sein. Also brauchen wir Antworten, um den wachsenden Energiebedarf zu bedienen. Jedes Gramm CO2, das dabei eingespart werden kann, ist wichtig. Und global gesehen wird die Atomkraft dabei einen relevanten Beitrag leisten. Aber in Deutschland hat man sich entschieden, das Kapitel zu schließen.“ Und weiter: „Ich habe grundsätzlich Zweifel an einem apodiktischen Ansatz, der zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Technologie abschalten will, ohne die Konsequenzen durchdacht zu haben. Klimaschutz beginnt heute. Und der wirksamste Hebel ist Effizienz. Die wirkt sofort, und dieses Potenzial sollte erst ausgereizt werden. Zumal jedes Unternehmen Effizienz benötigt, um am Markt zu bestehen, denn CO2-Emissionen kosten zunehmend Geld. Deshalb halte ich auch den Ausbau von modernen Gaskraftwerken, die wasserstofftauglich sind, für valide. Dieses Zusammenspiel aus nachhaltig erzeugter Energie und Grundlastfähigkeit ist wichtig. Gleichzeitig darf diese Energie nicht zu teuer werden.“ Mit Blick auf die derzeitige Schlussposition Deutschlands beim Wachstum der Industrienationen appelliert Zipse: „Das darf keinesfalls zum Dauerzustand werden. Deswegen erlauben wir uns auch die Mahnung, dass wir mehr in Entry- anstatt Exit-Strategien denken müssten. Es ist ein Irrglaube, dass man Technologien regional einfach verbieten kann, und die Märkte dann global beliebig folgen und dabei noch wachsen. Dazu sind die zugrunde liegenden Mechanismen viel zu komplex.“ Kritisch werde die Lage, wenn es Verbote gebe, aber keine tragfähigen alternativen Lösungen.

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